Großübung Jugend: Einhundertzwanzig Jugendliche üben 48 Stunden lang im Projekt „Jung übt sich: die Retter von Morgen“ den Ernstfall

Am zweiten Septemberwochenende konnten gleich zwölf Jugendliche der Wasserwacht Kuhsee an einer großangelegten Jugendübung aller Augsburger Hilfsorganisationen teilnehmen.

Gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk OV Augsburg, den freiwilligen Feuerwehren aus Stadtbergen, Kriegshaber und Pfersee, der Johanniter-Unfall-Hilfe, der DLRG und dem Malteser Hilfsdienst ging es am Freitagabend nach einer kurzen Begrüßung – unter anderem durch Augsburgs zweite Bürgermeisterin Eva Weber, sowie dem Vorsitzenden der Augsburger Hilfsorganisationen Michael Gebler – auch gleich richtig los.

Die Jugendlichen wurden direkt nach dem Abendessen mit einer Alarmierung für alle Einsatzkräfte auf das Wochenende eingenordet: Eine Flächensuche im Siebentischwald, zwei Jugendliche werden vermisst.

„Das geht ja witzig los“ – bemerkten einige unserer jungen Retter erwartungsvoll. Natürlich gaben die Mimen der Realistischen Unfalldarstellung ihr Bestes, um nicht sofort gefunden zu werden. Auch hielten sich die etwas erfahreneren Einsatzkräfte zunächst zurück, die Suche solle ja schließlich sowohl fordernd sein, als auch die Teamarbeit des frisch zusammengewürfelten Haufens stärken.

Nach anfänglicher Chaosphase konnte durch geschickte koordinatorische Fähigkeiten Vereinzelter der adrenalingeladene Hilfeleistungs-Knoten gelöst und Aufgaben gezielt verteilt werden. Weder der etwas später einsetzende Regen noch der Zeitaufwand von guten drei Stunden konnte die Jugendlichen jetzt noch davon abhalten, auch bis zum letzten Personenfund höchstmotiviert bei der Suche zu sein.

Die anschließende Versorgung der Gefundenen wurde organisationsübergreifend fast schon routiniert vorgenommen und auch die Verbringung zu den jeweiligen Rettungswägen verlief spielend.

Den ersten gemeinsamen, erfolgreichen Einsatz in der Tasche und schon sahen sich die Teilnehmer in der Pflicht, ihre ganz eigene, hoheitliche Aufgabe selbst zu basteln: Soviel frisch zubereitete Pizza wie möglich vor dem zu-Bett-gehen in sich hinein zu schaufeln. Nach so einem ausdauernden Einstieg ins Geschehen war der Hunger auf mehr wohl auch zu erwarten.

Am Samstagmorgen ließen sich unsere Nachwuchseinsatzkräfte bereits gegen 07.00 Uhr zum Partyhit „Guten Morgen Sonnenschein“ rhythmisch aus den Federn geleiten – die großzügig über die Turnhallen verteilten, basshaltigen Wiedergabeendgeräte machten zumindest ein Weiterschlafen unmöglich.

Angekommen in der Frühstückshalle ließ die Kombination aus beiläufigem Schmunzeln und Augenringen seitens der Übungsleitung dann auch schon den Tagesverlauf vermuten: Dauereinsatz für alle Teilnehmer!

Nach und nach wurden die vereinzelten Organisationen über die Lautsprecher zu ihren individuellen Einsatzaufträgen beordert – zwischenzeitlich auch zu gemeinsamen Herausforderungen – und durften eine ganz neue Vielseitigkeit ihres Ehrenamtes kennenlernen.

Ob Verkehrsunfall, Tierrettung, Verletztenbergung aus der Bunkeranlage des Wittelsbacher Parks oder Brunnenbau mittels Sandsäcken auf dem Rathausplatz, die Jugendlichen waren mit Feuer und Flamme dabei.

Seitens der Wasserrettungsszenarien wurde sich noch einmal etwas weiter aus dem Fenster gelehnt, oder besser gesagt, aus einer Brücke:

Aus schwindelerregender Höhe sollten die Übenden unter erfahrener Aufsicht der Bergwacht von der Osrambrücke auf ein Motorrettungsboot abgeseilt werden. Die Aktion erforderte aufgrund der Strömungsverhältnisse sowohl seitens der Bergretter als auch seitens der Bootsführer großes Fingerspitzengefühl, bereitete den Erwachsenen Teilnehmern dadurch aber auch sichtlich Spaß – „Das können wir gerne öfter machen!“.

Die jungen Retter sahen sich das Spektakel eines luftigen Patiententransportes zunächst mit großen Augen von unten an und bekamen erste Einweisungen auf Seiltechnik und Vorgehensweise, die während ihrem vertikalen Abstieg ins Ungewisse hilfreich werden könnten.

Oben angekommen wagten sich die nun aktiven Teilnehmer mit einem gewissen Respekt vor der Tiefe über die Brüstung, bekamen langsam aber sicher ein Gefühl der Schwerelosigkeit, um sich dann unter Zuhilfenahme der Erdanziehung in das schwungvoll in die Strömung geparkte Motorrettungsboot manövrieren zu lassen. Bei anschließender Nachbesprechung konnten die wenigsten ein breites Grinsen verbergen, offensichtlich ein gelungener Start in den Tag.

Zurück in der Turnhalle konnte die aufdringliche Frage „Wann geht’s denn weiter … ?“ noch nicht komplett ausgesprochen werden, da meldete sich die mittlerweile vertraute Stimme aus den Lautsprechern: „Achtung! Wasserrettungseinsatz für die Wasserwacht und die DLRG – es geht zum Weitmannsee!“

Mit dem halben Mittagessen To-Go wurde sich zeitnah an den Einsatzfahrzeugen eingefunden und zu benanntem See verlegt. Vor Ort wartete eine zunächst eher harmlos wirkende Situation: zwei umherirrende Mimen der Unfalldarstellung. Nach kurzem Gespräche mit Versorgung wurde allerdings schnell klar, dass das Szenario auf eine großangelegte Vermisstensuche für 4 Personen im Wasser abzielte.

Folglich wurde ein Einsatzleiter von den jungen Rettungskräften bestimmt, erste Maßnahmen zur schnellen Gebietserkundung per Rettungsboot eingeleitet und mit dem gängigen Manöver der Schnorchelkette erst der Uferbereich, dann das tiefere Gewässer durchkämmt. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten waren die Teams der beiden Organisationen gut aufeinander eingespielt und retteten erfolgreich zwei Mimen von Inseln, sowie zwei Puppen aus den Tiefen des Gewässers. Nach medizinischer Versorgung der Mimen noch die Manöverkritik und alternative Fakten zu Herausforderungen des Einsatzes.

Anschließend sollte den jugendlichen Rettern eigentlich nur eine kurze Verschnaufpause gegönnt werden, doch bei der Bestellung der Witterungsverhältnisse wurde für den späten Nachmittag wohl der falsche Paketdienst beauftragt.

Das tobende Unwetter ließ die nachfolgenden, geplanten Szenarien aller Organisationen zwar kurzfristig ins Wasser fallen, hinderte aber keineswegs die Übungsteilnehmer daran, in der Turnhalle ihren Spaß zu haben. Geschickt wurde die Wettersituation mit einer Anreihung von Kennenlern-Minispielen pariert, sodass zwischenzeitlich das Wetterradar studiert und ein Alternativprogramm auf die Beine gestellt werden konnte.

Zu später Stunde dann doch noch eine überraschende Einsatzübung. Müde Gesichter wurden bei Vortrag des Szenarios hellwach, motivationsgeladen und bereit für die nächste Herausforderung.

Im Schatten der Dunkelheit pirschten sich die Einsatzfahrzeuge aller teilnehmenden Organisationen an den Bergheimer Baggersee heran. Dort war eine Grillfeier wohl etwas aus dem Ruder gelaufen; mehrere Mimen versteckten sich im Wasser, einige an Land und das Partyvolk versuchte die Einsatzneulinge nach bester Manier bei ihrer Arbeit zu stören. Zudem wartete ein Hindernis der besonderen Art: völlige Finsternis.

Mit einsatzbedingter Hektik war das Gelände nach kurzer Zeit besser beleuchtet als so manche Kleinstadt, was den Einsatzkräften eine zielgerichtete Rettung und Versorgung der Vermissten ermöglichte. Ob im Wasser oder an Land, die eindrucksvolle Zusammenarbeit übertraf alle Erwartungen und sorgte für ein vorzeitiges Übungsende. Schon jetzt war ein großer Fortschritt erkennbar.

Mit Nachlassen der Anspannung siegte auf der Rückfahrt zur Turnhalle dann schlussendlich der Sandmann und nur Wenige konnten vor Ort die Tradition des Vorabends – die Vernichtung von Pizzabergen – weiterführen.

Sonntag. Nach gefühlten zwei Stunden Schlaf holte die Musikanlage noch einmal alles aus sich heraus: Mit schrillen, aber nicht weniger rhythmischen Bässen als am Vortag bewegte sich die Zahnbürste fast schon von selbst im Mund, sodass sich voll und ganz auf das Zusammenpacken konzentriert werden konnte.

Gnädigerweise begann die Kolonnenfahrt des Abschlussszenarios erst gegen 10.00 Uhr. Die 23-Köpfige, blau beleuchtete Verkehrsunterbrechung in Richtung Autobahnsee wurde zusätzlich durch die BRK-eigene Motorradstaffel abgesichert, was nochmals für Vorfreude und Faszination –  insbesondere bei den jüngeren Übungsteilnehmern – führte.

Angekommen am Autobahnsee ging dann alles ganz schnell. Ein lauter, dumpfer Knall läutete das Inferno des Abschlussszenarios ein:

Das dort stattfindende Open-Air-Konzert wurde durch eine unerwartete Explosion unterbrochen und die an den Parkplatz angrenzende Wiese war komplett in eine dicke, undurchdringliche Rauchwand gehüllt. Zahlreiche schwerverletzte und panische Besucher, angetrunkene Jugendliche, die ins eiskalte Wasser geflüchtet sind und erlebnisorientierte Zuschauer waren die Folge.

Um dieses Großangelegte Szenario unter Kontrolle zu bekommen, hatten die insgesamt einhundertzwanzig Jugendlichen alle Hände voll zu tun. Die Feuerwehren brachten das Feuer unter Kontrolle und bargen erste Verletzte, welche sofort von den jungen Sanitätern gemeinschaftlich behandelt wurden. Das THW sorgte für einen reibungslosen Ablauf auf Parkplatz und Equipmentzufuhr, unterstütze bei Behandlungen und Transport, sowie die Einsatzleitung vor Ort.

Die Einheiten der Wasserrettung mussten schnellstmöglich fünf Mimen aus dem frostigen Gewässer vor dem Ertrinken bewahren. Schutzausrüstung an, kurzer Check und anschließender Sprint zur Gewässerkante. Eine flüchtige, pädagogisch wertvolle letzte Einweisung in das Geschehen vom Gruppenführer und schon ging’s ins kühle Nass.

Unter Anwendung verschiedenster Rettungstechniken konnten letzten Endes alle Mimen an Land verbracht werden, die medizinische Erstversorgung wurde selbstverständlich auch sofort von den jungen Wasserwächtlern durchgeführt.

Die Zuschauer waren von der eindrucksvollen Darstellung aller Teilnehmer sichtlich beeindruckt, was auch durch die sehr realistisch gemimten und geschminkten Darsteller der Unfalldarstellung unterstützt wurde.

Nach guten drei Stunden konnte auch dieses Szenario für erfolgreich beendet erklärt werden und es blieb nur noch das gemeinsame Abschlussgrillen beim THW. Das hatten sich alle wirklich verdient.

Abschließend lässt sich sagen, dass die gemeinschaftliche Zusammenarbeit der 48H-Übung von Erfolg gekrönt ist. In keinem anderen Projekt konnten bisher die anderen Jugend-Organisationen so gut kennen gelernt und bespielt werden. Gemeinsam macht’s dann doch um einiges mehr Spaß!

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