3D-Sonar im Wasserrettungsdienst

Seit dem Sommer 2011 besitzt die Wasserwacht Augsburg-Stadt ein 3D-Sonar zur technisch unterstützen Suche im Wasser. Eingesetzt wird ein Side Imaging Sonar der Fa. Humminbird Typ 1198c mit reichlich Zubehör. Die Ausrüstung ist in zwei Einsatzkisten verstaut nach dem Motto kompakt, mobil und universell. Das Konzept erlaubt uns eine maximale Flexibilität zum Betrieb des Gerätes an den verschiedenen Bootstypen der Wasserwacht im Raum Augsburg-Stadt / Schwaben-Mitte.
3D-Sonar Einsatzbereit auf dem MRB, in der Kiste ist die Stromversorgung
Die Einsatzgruppe Sonar der Wasserwacht Augsburg-Stadt kann zur Suche von ertrunkenen Personen sowie zur Suche von Gütern, von denen eine Gefährdung für Menschen oder die Umwelt ausgehen kann alarmiert werden. Ziel des 3D-Sonars ist eine zielgerichtete, schnelle und koordinierte Suche von vermissten Personen und Gegenständen in stehenden und fließenden Gewässern durch technische Hilfsmittel.
 
Die Einsatzgruppe Sonar der Wasserwacht Augbsurg-Stadt wird personell durch Kameraden der Wasserwacht Kuhsee / Spickel besetzt. Transportiert wird das 3D-Sonar mit dem Wasserrettungsfahrzeug der SEG Kuhsee. Für die Schulung der Einsatzkräfte sind unsere Lehrgruppenausbilder Motorboot Stefan Bär, Stafan Facher und unser SEG Leiter Michael Messtorff verantwortlich. Enstanden ist das Projekt zur Realisierung des Sonars durch die sehr enge Zusammenarbeit der Fachdienste Motorboot und Tauchen hier in der Wasserwacht Augsburg-Stadt und der Ortsgruppe Kuhsee / Spickel.
Während des Winters 2011/2012 wurden die Einsatzkräfte in Theorie und ab Mai 2012 in Praxis auf die Gerätschaften geschult. Über das Jahr finden immer wieder Fortbildungen statt, damit die Einsatzkräfte fit in der Bedienung und Anwendung bleiben. Ebenfalls wurden bereits mehrere Einsätze mit dem 3D-Sonar abgearbeitet im Bereich in und um Augsburg.
MRB der SEG Kuhsee als Sonarboot aufgerüstet während des Wachdienstes am Kuhsee

 

MRB der WW Station Kuhsee als Sonarboot aufgerüstet während des Wachdienstes am Kuhsee
MRB der WW Station Kuhsee als Sonarboot aufgerüstet während des Wachdienstes am Kuhsee

 

Suchtechniken im WRD mit technischen Hilfsmitteln

Wie kann eine Suche von Personen und Gegenständen Fachdienstübergreifend in Gewässern schnell und koordiniert durchgeführt werden? Das war die Frage am Anfang des Projektes im Jahr 2010 und 2011.

Bei der bisher angewandten, konventionellen Suche in Gewässern ist ein Abtauchen des Suchgebietes mit mehreren im Einsatz befindlichen Rettungstauchern, in Tauchtrupps zusammengefasst, nötig. Einsatztaktisch werden dazu unterschiedliche Suchtechniken angewendet bei denen, teils unter Nutzung von Motorrettungsbooten oder von Land aus, meistens mehrere Rettungstaucher gleichzeitig sowie zeitlich begrenzt und in einer Taucherkette mit maximal drei Rettungstauchern je Tauchtrupp eingebunden zum Einsatz kommen. Dabei tasten sich die Rettungstaucher – meist ohne Sicht – auf dem Gewässerboden voran. In seltenen Fällen ist die Sicht unter Wasser so gut, dass ein Rettungstaucher auch mal bis zu 5 Meter weit sehen kann. Eine Absicherung mit Signalmann und Sicherungstauchern ist nach der Vorgabe der Unfallversicherungsträger (DGUV Regel 105-002) und natürlich auch zum Eigenschutz obligat. Seither konnte daher zwar mittels systematischer aber auch mit teilweise sehr aufwändigen Standardsuchmethoden ein Gewässer abgesucht werden. Zudem können Tauchtrupps nur relativ kleine Wasserflächen unter  hohem Personal- und Zeitaufwand abgesucht werden.

Vergleich Rettungstaucher mit 3D-Sonar

Mit einem 3D-Sonar ist es jetzt möglich, vor dem eigentlichen Taucheinsatz den Gewässerboden sowie den Bereich zwischen Wasseroberfläche und Gewässerboden – auch von größeren Wasserflächen – nach potentiellen Zielpunkten bzw. Hindernissen deutlich schneller als bisher abzusuchen. Zum Abscannen des Gewässergrunds ist allerdings eine umfangreiche Erfahrung bei der Bildauswertung nötig. Die Sonarcrew markiert die im 3D-Sonar auffälligen Kontakte, Einsatztaucher können dann im Anschluss die Fundanzeige, eine Personen oder einen Gegenstand verifizieren und gegebenenfalls bergen. Durch dieses Vorgehen können wertvolle Zeit eingespart und die Ressourcen von ehrenamtlichen Einsatzkräften gezielter eingesetzt werden.

Bildschirmanzeige vom Sonargerät

Das Gerät eignet sich nicht nur zur Personensuche bei Ertrinkungsfällen sondern bildet auch Gegenstände und Unterwasserhindernisse ab, die eine Gefahr in den Badebereichen darstellen. Die Suche kann unabhängiger von Gewässertemperatur, – Sicht oder Verschmutzung und Tageszeit durchgeführt werden. Rettungstaucher haben reduzierte Tauchzeiten und dadurch ein geringeres gesundheitliches Risiko durch Aufsättigung mit Gasen unter Druck. Das 3D-Sonar kann auch vor Wehranlagen und Wasserkraftwerken per Handbetrieb mit einer Stange von Land eingesetzt werden.

Der erfolgreiche Einsatz eines 3D-Sonar setzt eine effiziente Zusammenarbeit der Einsatzleitung, der Führer des Motor-rettungsbootes und der Rettungstaucher voraus. Eine bessere Verknüpfung der Fachbereiche wird zur effektiven Nutzung des 3D- Sonar notwendig, eine Schulung und Einübung unausweichlich.

Taktische Vorgehensweise

Im Einsatzfall wird bis auf weiteres nach den bisherigen Einsatzverfahren vorgegangen (Alarmierung, Einsatzleitung sowie Einsatz des Personals). Zunächst arbeitet die Einsatzgruppe Sonar, koordiniert durch den Einsatzleiter Wasserrettungsdienst in Verbindung mit dem Tauchereinsatzführer, parallel und ergänzend zu den bisherigen Einsatzressourcen. Ein weiteres Motorrettungsboot befindet sich mit einem komplett ausgerüsteten Tauch-Trupp bzw. Wasserretter-Trupp in Rufbereitschaft um markierte Stellen zu erkunden. In Gewässern bis 5m Tiefe und guter Sicht kann die Erkundung auch durch Schnorchel – Taucher durchgeführt werden.

Das Sonarboot, besetzt mit zwei Sonarbedienern und einem Bootsführer, mäandert das Suchgebiet nach einem festgelegten Suchmuster sowie mit gleichbleibender Geschwindigkeit ab. Auffällige Punkte werden am Gerät gespeichert und eine Markierungsboje ins Wasser gesetzt. Bereits an der Einsatzstelle kann über einen Laptop an Land der auf einer SD Karte gespeicherte Sonardatensatz nochmals gesichtet und bewertet werden.

Fazit

Alle bisher gemachten Erfahrungen im Rahmen von Tests, Schulung, Fortbildung und vor allem auch bei realen Wasserrettungseinsätzen haben die Leistungsfähigkeit bestätigt. Ein neues Einsatzmittel braucht seine Zeit, damit sich die Einsatzkärfte damit vertraut machen können und vor allem Erfahrungen sammeln können, das geht nicht von heut auf morgen! Den größten Beitrag leisten die aktiven Einsatzkräfte des Wasserrettungsdienstes wie Sonarbediener und Motorbootsführer, welche sich bereiterklärt haben, die Suche mit 3D-Sonar zu erlernen und im Einsatzfall anwenden können.

Durch die gesammelten Daten der befahrenen Gewässer ist es nun möglich mit einer Sortware am PC Seekarten zu erstellen. Diese Seekarten können zu Schulungs- und Einsatzzwecke verwendet werden.

Seekarte vom Kuhsee, max. Tiefe 5 Meter im Norden

In den letzten Jahren haben sich unabhängig voneinander im Bereich des BV Schwabens mehrere Kreis-Wasserwachten und Ortsgruppen mit dem Thema 3D-Sonar beschäftigt. Jetzt wurden in mehreren Gesprächen die bisher gemachten Erfahrungen ausgetauscht und bestätigt – es ist eine gute Investition in die Zukunft.

Durch die Einbindung der zur Verfügung stehenden Einsatzmittel sowie durch den hohen Ausbildungsstand der Einsatzkräfte der Wasserwacht ist ein professionelles  Handeln auch in der Zukunft möglich.

Hier können weitere Informationen zum Thema 3D-Sonar angefragt werden oder einfach während des Wachdienstes an der Wasserrettungsstation am Kuhsee vorbeischauen.

Das 3D-Sonar wurde durch zwei zweckgebundene Spenden von der IMA Ingenieurbüro Anton Abele und Partner GmbH aus Augsburg und Bootsteile Enßlin GmbH aus Augsburg finanziert – Herzlichen Dank hierfür! Hier gibts weitere Informationen zur Spende.